29 Themenwanderungen zur Auswahl

 

(Dauer ein bis zwei Stunden plus ggf. Pause in Café/Kneipe)

1. Auf den Spuren der Reformierten

Die reformierten Protestanten, Westdeutsche, Niederländer, Schweizer und Franzosen, waren in Kopenhagen nur eine winzige Minderheit. Aber dieser verdanken wir die Vorformen einer Nationalbank, die Organisation des Überseehandels mit China und Indien und die Tabakindustrie. Und sie haben uns eine der schönsten Kirchen Kopenhagens hinterlassen. An vielen Stellen in der Altstadt sind noch Spuren von ihnen zu finden. Auf dem historischen Assistens Kirkegård, dem alten Hauptfriedhof auf Nørrebro, findet sich eine reformierte Abteilung mit der Bezeichnung D und mit dem einzigen Mausoleum dieses Kirchhofs. Hier ist der Gouverneur von Dänisch-Westindien Peter von Scholten mit seiner Familie begraben.

2. C. E. F. Weyse, Nationalkomponist

Der aus Altona gebürtige Orga- und Komponist, wie er sich selbst bezeichnete, Christoph Ernst Friedrich Weyse (1774 – 1842) stieg zum führenden Komponisten Dänemarks in der Epoche der Nationalromantik, des Goldenen Zeitalters, auf und war zu Lebzeiten eng mit der kulturellen Elite dieser Periode verbunden. Die Dänen kennen ihn immer noch von einigen Liedern für Kinder her und von seiner tragischen Liebesgeschichte mit Julie Tutein, der Tochter eines reichen Kaufmanns, der keinen Organisten als Schwiegersohn wünschte. Werke von ihm sind ab und zu im Radio zu hören. Trotz seines Altonaer Akzents fühlte Weyse sich zu hundert Prozent dänisch. Anlaufpunkt Vingårdstræde 4

 

3. Christianshavn, die Insel

Christianshavn, benannt nach dem bauversessenen König Christian IV, erhob sich gegen 1616auf flachem und sumpfigem Vorland der Insel Amager. Die Baumeister waren, wie noch heute leicht festzustellen, Niederländer unter Führung des friesischen Landvermessers Johan Sems. Einst eine befestigte Insel ist Christianshavn heute mit Amager verbunden. Einst eine Arbeitervorstadt der Marine und der Werften, ist der Stadtteil heute eine schnieke Oase für Privilegierte, stilvoll aufgemischt mit Ureinwohnern wie anderswo in europäischen Metropolen. Da nie von einem Großbrand betroffen, haben sich zahlreiche Bauten aus dem 17. Und 18. Jahrhundert erhalten, obschon die kommunale Spitzhacke vor einem halben Jahrhundert etliche Straßenzüge verheerte. Anlaufpunkt: Metroausgang Christianshavns Torv.

 

4. Deutsche Spuren

Im seit langem abgeschafften Kopenhagener Telefonbuch konnte man es unmittelbar lesen: mindestens ein Fünftel aller Bürger haben deutsche Zwischen- oder Nachnamen, Zeugnis einer selten unterbrochenen Zuwanderung, die im 14. Jahrhundert einsetzte. Vor 250 Jahren gab es bis zu elf Kanzeln, wo nur oder auch deutsch gepredigt wurde. Die Sankt Petri Kirche, noch heute einer der größten Gemeinden der Stadt, die Deutsche Friedrichs-Kirche auf Christianshavn, die Schlosskirche, die Garnisonskirche, die Deutsch-Reformierte Kirche, die Zitadellenkirche, die Waisenhauskapelle, der Gebetsraum der Brüdergemeine, die katholische Kirche, die Schlosskapelle und die Große Synagoge, letztere allerdings ohne Kanzel. Kopenhagen war vier Jahrhunderte wie heute wieder zweisprachig. Erst 1773 wurde Deutsch als offizielle Sprache der Garnison abgeschafft. Anlaufpunkt: Sankt Petri Kirche

5. Franzosen in Kopenhagen

Geschäfte und Restaurants mit französischen Namen sind alles andere als selten in der Innenstadt. Aber lebendige Franzosen und Welschschweizer als Gäste und Immigranten gibt es schon seit dem 17. Jahrhundert. Sprachlehrer, Tanzmeister, Schauspieler, Fechtmeister und Köche in Verbindung mit dem königl. Hof und später Religionsflüchtlinge wie Offiziere, Weinhändler, Handwerker der Luxusbranche, Ärzte und Buchhändler. Seit 1685 gibt es eine protestantische Gemeinde mit zwei, nach 1800 einem Pastor. Seit 1689 teilt die Gemeinde einen eigenen barocken Tempel mit einer deutschen Gemeinde. Spätere Gäste waren der frühklassizistische Architekt Nicolas Jardin und der Bildhauer Jacques Saly. Sein Reiterstandbild Frederiks 5. gehört zu den bedeutendsten seiner Art in Europa. Treffpunkt: Französische Kirche, Gothersgade 111

6. Frederiksberg: Allee und Schloss

Frederiksberg ist eine selbständige Enklave mitten in Kopenhagen und das hat geschichtliche Ursachen. Ursprünglich eine kleine Kolonie von Bauern der Insel Amager ließ sich König Frederik IV kurz nach 1700 auf einer Anhöhe ein Lustschloss mit einem großen Park anlegen, daher der Name der Stadt, und das hatte zur Folge, dass sich eine rein königliche Ansiedlung  entwickelte, zu der sich die wohlsituierte Bürgerschaft gesellte. Eine Villenstadt, die nie zur Arbeitervorstadt wurde, konservativ und die sich mit Händen und Füßen gegen eine Einvernahme durch Kopenhagen sträubte. Vor zweihundert Jahren wurde Frederiksberg auf Grund des Schlossparks zum Ausflugsziel der Nachbarn. Es schossen Varietés, Konditoreien, Tanzlokale und Theater längs der neuen Königsalle aus dem Boden. Anlaufpunkt: Ecke Værnedamsvej/Frederiksberg Allé.

7. Frederiksstaden, Stadt des Königs

Die Friedrichstadt entstand im Wesentlichen aus Anlass der 300jährigen Regierungsjubiläums des Hauses Oldenburg auf der Brandstätte und dem Park des Lustschlosses Sophie Amalienborg. Das war 1748 und nicht lange danach hatte Kopenhagen ein stilreines Rokokoviertel mit symmetrischen Straßen und einem achteckigen Platz im Zentrum mit einer der vornehmsten Reiterstatuen der Welt. Der führende Baumeister Nikolai Eigtved starb leider noch vor der Fertigstellung der Friedrichstadt. Seine verschiedenen Nachfolger haben in den folgenden Jahrhunderten das einheitliche Konzept aufgehoben und heute ist abgesehen von den vier königlichen „Hôtels“ von Amalienborg nur ein Doppelhaus inder Amaliegade (Nr. 15-17) im ursprünglichen Zustand erhalten.Der Umzug der Königsfamilie hierhin 1794 bewirkte, dass alles was Rang und Namen hatte im Lande, am liebsten dicht beim Monarchen logieren wollte und die Bredgade die teuersten Läden des Landes vorweisen konnte. Treffpunkt Sankt Annæ Plads / Amaliegade

8. Geschichte der Kinder

Einst die Mehrheit, heute eine Minderheit: Stadtkinder. Und die sozialen Unterschiede waren deutlicher als heutzutage. Aber alle waren erst Wickelkinder, gingen dann am Gängelband, kamen in eine Schule, die besser gestellten in eine Privatschule wie heute, die weniger bevorzugten in eine Armenschule, wenn sie Glück hatten in eine Kirchenschule. Die Jungen der Reichen und später ihre Schwestern bekamen Hausunterricht. Nach der Konfirmation, wo die Jungen ihre erste Zigarre rauchten und eine Taschenuhr vorzeigen konnten, war die Kindheit vorbei und als Lehrlinge und weniger als Arbeiter wurden die eisern gedrillt und behobelt, was den Mädchen erspart blieb, denn 90 Prozent von ihnen gingen in Stellung mit einem endlosen Arbeitstag von montags oft bis sonntags. In Museen ist viel erhalten geblieben von der Kinderkultur, Spielzeug, Kleidung, Porträts, Kinderreime, Fibeln. Bis Basedow (Dozent an der Akademie in Sorø) und Pestalozzi war Kindheit grob gesagt furchtbar mit Unternährung, Strafen, Missbrauch, Stiefeltern und hoher Sterblichkeit. Treffpunkt: Ecke Nørregade/Nørre Vold.

9. Hafenspaziergang
Einst war Kopenhagen eine echte Hafenstadt, in jeder Hinsicht eine Stadt am Meer mit zahllosen Handels-, Fischerei- und Orlogsfahrzeugen im Hafenbecken, mit Kaianlagen und Landungsbrücken. Seit etwa fünfzig Jahren ist sein Hafen nur noch Erlebnishafen mit den Kreuzfahrtschiffen im Sommer draußen am Nordhafen. Statt Werften und Redereien hat es hier heute Wohnungen und Cafés. und da auch so gut wie alle Industrie am Hafen verschwunden ist, kann man heute ohne Probleme schwimmen, wenn es einen gelüsten sollte. Zwei bis drei Schwimmbecken sagen willkommen. Die alten Packhäuser dienen heute als Kulturhäuser oder enthalten Eigentumswohnungen. Wahrzeichen des Hafens ist der originale holzverschalte Mastenkran von 1749. Und nicht weit davon weht von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang die offizielle Staatsflagge Dannebrog von der Batterie Sixtus. Treffpunkt am großen Anker vor dem Nyhavn


 

10. Hafnia Aurea  - Gold und Silber

Eine historische Stadtwanderung, die ihren Fokus auf Gold und Silber richtet, mit überraschenden Zeugnissen von der Wertschätzung der Edelmetalle in der Vergangenheit und bis heute. Turmspitzen, Namen, hugenottische und jüdische Gold- und Silberschmiede, Fassadenschmuck, Denkmäler und die Story von der goldenen Kutsche des Königs. Die Kopenhagener Goldschmiedezunft ist die älteste noch existierende ihrer Art und ihre Stiftungsurkunde war in Plattdeutsch abgefasst.Jeder Däne kennt die Geschichte von den verschwundenen beiden goldenen Hörnern aus Gallehus. Der Besuch bei einem Gold- und Silberschmied ist Teil der Wanderung. Wer noch mehr Appetit auf Gold verspürt, wird an die königlichen Sammlungen auf Schloss Rosenborg verwiesen. Treffpunkt: vor Haus Larsbjørnsstræde 18

11. Häuser und Menschen Anno dunnemals

Das Stadtbild trägt nur noch wenige Zeichen der großen Brände, die sie einst verheert haben. 1386, 1728, 1795, 1807. Die Altstadt innerhalb der seit 1865 geschleiften Wälle ist eine Mischung von schlichten drei- bis vierstöckigen Häusern des Klassizismus, die meisten denkmalsgeschützt, von dekorativ geschmückten fünfstöckigen Wohnungs- und Geschäftsbauten im Mischstil des 19. Jahrhunderts, von modernen Gebäuden des Funktionalismus nach 1920, vor allem im Viertel Sankt Annæ Vester und einigen Glas+Beton-Einfüllseln der letzten Jahrzehnte. Obschon von Kriegseinwirkungen so gut wie verschont (Tivolis Konzertsaal fiel einem Terrorbombardement zum Opfer) sorgten die städtischen Behörden abgesegnet vom Staat in den vergangenen hundertfünfzig Jahren für eine radikale Ausmerzung historischer Bausubstanz und bis heute fallen jedes Jahr historische Bauten der Spitzhacke zum Opfer. Hauptanlass war oft der Autoverkehr und die steigenden Grundstückspreise. Die Innenstadt hat heute trotzdem immer noch viele Wohnungen verglichen mit anderen europäischen Großstädten. Ja, hier wohnen immer noch lebendige Menschen wie du und ich mitten in der Altstadt. Treffpunkt: Gammel Torv am Caritas-Springbrunnen

12. Weinschänken und Bierstuben

Die populärste historische Stadtwanderung handelt von Bier, Schnaps und Wein, von ihren Konsumenten seit dem Mittelalter: Studenten, Matrosen, Soldaten, Handwerker, Bohemiens und Originale im tiefen Keller und zu ebener Erde. Eine noch heute populäre Kneipe geht auf die norwegischen Studenten des 18. Jahrhunderts zurück, eine andere auf zwei tüchtige Hugenotten von 1704, wo alles was Rang und Namen hatte seit dreihundert Jahren verkehrte. Eine andere Weinstube war und ist Treffpunktbekannter Politiker und eine fast hundert Jahre alte braune Künstlerkneipe im alten Hurenviertel ist so gut wie intakt geblieben bis auf den heutigen Tag. Erzählt wird vom Brauen und von Brauern, vom Brennen und von Brennern, von Wirten und von Kellnern. Wenn gewünscht ist eine „Verschnaufpause“ Teil des Rundgangs. Anlaufpunkt: Caritas-Springbrunnen auf dem Gammel Torv

 

13. Im Herzen der Altstadt

Am Abend wundern sich Besucher: es hat immer noch Licht hinter den Fenstern der alten Wohnungen. Noch immer wohnen reale Menschen mitten in der Altstadt. Der historische Kern besteht aus zwei uralten Siedlungen, verbunden mit einer asymmetrischen zentralen Straße, dem Amagertorv, im Mittelalter der Fischmarkt, und dem Vimmelskaftet, im Mittelalter die Deutschengasse. Im Osten lag das Viertel um die Nikolaikirche und den Ostermarkt und im Westen das alte Havn, einst eine Fischersiedlung der Wikingerzeit. Heute heißt diese lange Einkaufsstraße halboffiziell Strøget und ist etwa ebenso spannend wie die Mönckebergstrasse oder Hohe Straße oder die Kalverstraat. Erst in den Nebenstraßen mit kleinen Spezialgeschäften und Cafés entdeckt man die typische Kopenhagener Atmosphäre, das lässige und entspannte Flanierverhalten der Dänen mit oder ohne Fahrrad. Brände haben das ursprüngliche Kopenhagen vernichtet, aber immer wieder verlocken reizvolle Häuserpartien wie beispielsweise die Magstræde oder die Klareboder zu snapshots. Treffpunkt: Absalonstatue auf dem Højbro Plads

 

14. J. F. Struensee, Aufklärer und Diktator

Der Altonaer Pfarrerssohn Johann Friedrich Struensee (ausgesprochen S-trúense) stieg vom Armenarzt zum königlichen Leibarzt und schließlich zum Alleinherrscher von Dänemark-Norwegen auf im Zeitraum von nur vier-fünf Jahren. Sein unermüdlicher kompromissloser Reformeifer brachte ihm Feinde ein wie Sand am Meer. Und bekanntlich fällte ihn sein allzu nahes Verhältnis zur Königin Caroline Mathilde, dem die Prinzessin Augusta entspross. Seine Hinrichtung im April 1772 hinterließ ein Echo in ganz Europa. Seine Gebeine liegen heute in einem Kindersarg unter der Schimmelmannschen Grabkapelle in der Sankt Petri Kirche. Viele seiner anfänglich abgeschafften Reformen wurden später doch noch realisiert und eine Straße ist nach ihm benannt worden. Sein Arbeitszimmer im Finanzministerium und seine Zelle im Zitadellengefängnis gibt es noch heute. Struensees tragische Geschichte hat viele Schriftsteller und Regisseure zu Prosa, Drama und Film angeregt. Treffpunkt: vor der Sankt Petri Kirche, Sankt Peders Stræde 2.

 

15. Jüdisches Kopenhagen

1676 wird zum ersten Mal ein Jude in Kopenhagen registriert und die erste kleine Synagoge errichteten die Hofjuweliere David und Goldschmidt in Jahre 1684 in der Badstuestræde. Seit diesem Zeitpunkt hat es ein ununterbrochenes jüdischen Leben in der Stadt gegeben. Die einzige Ausnahme war das knapp zweijährige Exil in Schweden während der deutschen Besatzungszeit 1943-45. Heute ist die Zahl der praktizierenden Juden sehr begrenzt. Es gibt immer noch die Carolinenschule und zwei Synagogen, eine liberale und eine orthodoxe. Der alte Friedhof auf Nørrebro geht auf das Jahr 1694 zurück (letzte Bestattung 1967) und ist zugänglich für Besucher. Seit 2004 hat die Stadt ihr jüdisches Museum in der alten Königlichen Bibliothek, entworfen von Daniel Libeskind mit Berliner Vorbild. In Handel, Bankwesen, Wissenschaft und Industrie haben zahlreiche Persönlichkeiten eine erhebliche Rolle in Kopenhagen gespielt. Am Geburtshaus von Niels Bohr an Ved Stranden ist eine Gedenkplatte angebracht. Treffpunkt: Badstuestræde 20.

 

16. Kopenhagens älteste Geschäfte
Wie in jeder europäischen Metropole schließen die alten Einzelhandelsgeschäfte eins nach dem anderen. In Kopenhagens Innenstadt waren  es in den letzten Jahren ein Pfeifen- und Tabakladen, mehrere Buchhandlungen und Antiquariate, ein Schuhmacher, eine Buchbinderei. Trotz alle dem halten sich immer noch einige Geschäfte, nicht selten im Familienbetrieb seit Generation, über Wasser. Und die Mieten steigen und steigen. Den Rekord hat Sankt Peders Strædes Bageri (1652), gefolgt von der königl. Hof- und Elefantenapotheke (1669). In alten historischen Räumlichkeiten – und hier wird es für Besucher interessant – befinden sich noch Gammelstrands Wein- und Bierhandlung (1760), F. L. Dahlmans Sattlerei (1807), A. C. Perchs Teeladen (1835), von morgens bis abends von Kunden belagert, François Petitgas‘ Herrenhüte (1857) und Herman H. J. Lynges Antiquariat (1853). Teilweise erhaltene ursprüngliche Läden sind ein Zigarrenladen in der Østergade, ein Handschuhladen in der Købmagergade und eine ehemalige Elfenbeindreherei in der Sværtegade. Und noch zu empfehlen ist Handlers Kurzwarenladen im Keller eines 1800 errichteten Hauses in der Vingårdstræde, ein Paradies für Nostalgiker und Sammler. Treffpunkt vor Hviids Vinstue, Kongens Nytorv

17. Kunst und Architektur (1800-1840)
Kopenhagens Goldenes Zeitalter fällt zusammen mit den Napoleonischen Kriegen und dem finanziellen Zusammenbruch der Doppelmonarchie, wo ganz ähnlich wie in den Zwanziger Jahren während der Weimarer Republik eine unerhörte kulturelle Blüte einher ging mit Inflation und dünnem Tee mit spärlichst geschmiertem Butterbrot. Namen wie Hans Christian Ørsted, der Erfinder der Elektrolyse und damit Stammvater jeder Elektronik, die Exzentriker Søren Kierkegaard und Hans Christian Andersen und der Altertumsforscher Christian Jürgensen Thomsen, dem wir die vorgeschichtliche Chronologie wie Steinzeit, Bronzezeit usw. verdanken, alle lebten auf engstem Raum in der Altstadt beieinander und sahen sich alle regelmässig in Konditoreien und auf der Straße. Diese Szenerie war umsäumt von der einzigartigen klassizistischen Architektur der Schüler von Harsdorff und des königlichen Stadtbaumeisters Christian Frederik Hansen. Die Architektur des Goldenen Zeitalters ist nie von einem Großbrand zerstört worden und hat zweifellos europäischen Rang. Treffpunkt: vor der Büste von C. E. F. Weyse auf dem Frue Plads

 

18. Latinerkvarteret
Das Universitätsviertel Kopenhagens befindet sich zwischen Købmagergade, Studiestræde und Sankt Peders Stræde. Heute finden hier keine Vorlesungen mehr statt, doch Verwaltung und vier Studentenwohnheime liegen immer noch im sogenannten Latinerkvarter. Der Name ist natürlich von der Sorbonne beeinflusst. Auf über eine Unzahl von Adressen verteilt und umrandet von über zwanzig Antiquariaten und einer Handvoll Studentenkneipen übte die akademische Welt hier bis vor wenigen Jahrzehnten Forschung und Lehre aus. Bis 1814 war die Universität, gegründet als eine Art päpstlich bestätigte Priesterschule 1479, auch die Alma Mater Norwegens und Südschwedens, das erst nach seiner Abtretung an Schweden seine eigene Universität in Lund erhielt. Studenten, besonders viele ausländische Gaststudenten, prägen nach wie vor dieses so beliebte Viertel. Treffpunkt: Haupteingang der Universität am Frue Plads

19. Marineviertel Nyboder und Zitadelle
Diese Tour hat vor allem Militärgeschichte zum Inhalt, sowohl Infanterie, Kavallerie als auch Marine. Die heute nur noch einen Bruchteil ihres ursprünglichen Umfangs besitzende Matrosen- und Werfthandwerkerstadt Nyboder mit ihren gelben und grauen niedrigen Wohnhäusern aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert dürfte europaweit einzigartig sein. Noch heute muss man dem Militär zugehören wenn man eine der billigen Wohnungen anstrebt. Zwischen Nyboder und der Zitadelle lag bis im 1900 die lange Husarenkaserne, heute überbaut mit kostspieligen Wohnhäusern aus den zwanziger Jahren. Die Zitadelle Frederikshavn, eine niederländische Schöpfung von etwa 1660, heißt normalerweise Kastellet. Erst in jüngster Zeit hat die Firma Mærsk zwei seinerzeit geschleifte Bastionen mit ihren Mitteln neufinanziert, so dass die kleine Festung wieder komplett ist und die vielen Jogger ohne Unterbrechung über die Wallkronen laufen können. Das Hauptquartier der dänischen Verteidigungskräfte hat immer noch seinen Sitz im Kastell. Bei Anbruch der Dunkelheit haben zivile Besucher keinen Zugang. Eine Windmühle, die einmal im Jahr Mehl produziert, sowie zwei kleine Militärmuseen erzählen Geschichte. Treffpunkt Nyboders Mindestuer, Sankt Pauls Gade 24
 

20. Mecklenburg und Kopenhagen
Der mecklenburgische Kleinadel schickte über zweihundert Jahre seine nicht erbberechtigten zweiten und dritten Söhne nach Kopenhagen in den Militärdienst und die Diplomatie. So kam es, dass erst der dänische Uradel und dann die holsteinischen Geschlechter durch Mecklenburger Adelsfamilien wie Plessen, Lützow, Knuth, Holstein, Winterfeldt, Raben und Moltke ergänzt wurden. Die Universität Rostock, ihre Lehrer, Buchdrucker und Buchhändler waren Pioniere auf ihrem Feld auch in Kopenhagen, und nicht zu vergessen Prinzessinnen der Schweriner und der Strelitzer Herzöge sind an dänische Kronprinzen verheiratet worden. Der Name Bülow ist in Dänemark häufiger als man meinen sollte. Anlaufpunkt Frue Plads, Ecke Nørregade.

21. Nørrebro

Nørrebro wäre auf Deutsch mit Norder Steinweg wiederzugeben. Ein junger Vorort aus der Zeit nach 1650 erwächst links und rechts der Hauptstraße Nørrebrogade, heute eine der am meisten bevölkerten Fahrradstraßen Kopenhagens. Nach der Mitte des 19. Jahrhundert werden hier Tausende von Arbeiterwohnungen gebaut und Nørrebro wird eine typische Arbeitervorstadt mit allem was dazugehört, aber interessanterweise kaum mit Kriminalität und Prostitution. Heute ist hier die Einwandererquote aus Polen, der Levante und dem Maghreb sehr hoch, da die eingeborenen Arbeiterfamilien nach 1970 in die neuen Vorstädte verzogen sind. Doch sorgen billige kleine Wohnungen dafür, dass hier vor allem junge Zuzügler wohnen und beide Gruppen prägen den Stadtteil erheblich und machen ihn zum jüngsten und am meisten angesagten der Hauptstadt. Treffpunkt am Endpunkt der Dronning Louises Brücke links vor der Skulptur am Eingang der Nørrebrogade

22. Nyhavn 
Der bei seiner Ausgrabung 1672 nagelneue Hafen heißt bekanntlich auch heute noch Nyhavn. Mehrere Jahrhunderte war er der zivile Versorgungshafen der Stadtbevölkerung. Gemüse, Brennholz, Obst, Streusand, Wein, Teer, Kalk. Die großen Überseeschiffe mussten draußen bleiben. Mit Eisenbahn und Lastauto wird der Nyhavn überflüssig und nach dem Zweiten Weltkrieg eroberte der Tourismus die Hafenseite mit den ungeraden Hausnummern gnaden- und restlos. Die nie von einem Stadtbrand getroffenen Häuser erzählen allerdings reine Kulturgeschichte von mehr als dreihundert Jahren. Die Nachbarschaft zum Königlichen Theater und zur Kunstakademie hat auch ihren historischen Spuren hinterlassen. Als geschichtliche Reminiszenz kommen im Herbst wieder Apfel- und Birnenschuten in den Nyhavn und Touristen können sich wie einst direkt mit Obst versorgen. Treffpunkt der große Anker vor dem Hafenende.    

23. Österreichische Spuren
Nach der Reformation waren Katholiken in Kopenhagen unerwünscht. Wenn dennoch Einwanderer aus den habsburgischen Ländern kamen, so machten die Behörden kein Aufhebens von ihrer Religion, weil man Glasbläser und Militärmusiker aus Böhmen nötig hatte. Und mit der Religionsfreiheit kam dann ab 1840 eine offizielle Kirche auf dem Grundstück der österreichischen Gesandtschaft in der Bredgade. Und da Musik bekanntlich keine Grenzen kennt, erklangen Töne von Haydn, Mozart, Beethoven bis Strauss und Lehár bei Privatleuten und in Konzertsälen auch hier. Eine besondere historische Begebenheit waren die sogenannten Wienerkinder nach dem Ersten Weltkrieg, die in Kopenhagen und in der Provinz bei dänischen Familien aufgepäppelt wurden. Das wienerbrød ist auch eine Geschichte für sich. Treffpunkt vor dem Hotel d’Angleterre, Kongens Nytorv.

24. Pisserenden, das unartige Viertel

Einer der angesagten Kieze von Kopenhagen ist Pisserenden, die Pissrinne. Dieses von knapp tausend Bewohnern bevölkerte Nørre Kvarter liegt direkt an der Fussgängerzone und weniger die Randstrassen als die inneren vier Gassen machen seinen Kern aus. Das nach denBränden 1728 und 1795 wieder aufgebaute Arbeiter- und Handwerkerviertel verlotterte nach dem Ersten Weltkrieg und wurde das letzte zentrale Hurenviertel der City. In der 1970er Jahren liess sich hier dank niedriger Mieten die mehr kreative Szene der 68er nieder. Künstler, Schriftsteller, Filmmenschen, Musiker und Textildesigner gingen eine Symbiose mit den letzten Damen des horizontalen Gewerbes ein. Die steigenden Mieten haben diesem goldenen Zeitalter längst den Garaus gemacht, aber geblieben sind der Mythos und eine Handvoll Kneipen und Shops. Treffpunkt: Kreuzung Sankt Peders Stræde und Teglgårdstræde.

 

25. Schweizer Spuren

Kopenhagen hat in der Zeit zwischen 1700 und 1850 viele persönliche Verbindungen mit der Schweiz geknüpft. Für Kopenhagener war die Schweiz nach Albrecht von Haller das ideale Bergland, dem das heimische Norwegen nicht das Wasser reichen konnte. Umgekehrt fühlten Schweizer sich hier willkommen, sei es als Wissenschaftler (Paul Henri Mallet), Erzieher (Elie Salomon Reverdil); Bankiers (Pierre Peschier), Konditoren (Lorenzo Gianelli), Uhrmacher (Barthélémy Caillate), Künstler (Johannes Senn) und Kunsthandwerker (Conrad Spengler). Die meisten von ihnen waren kalvinistische Protestanten und verkehrten in der französischen und in der deutschen Gemeinde in der Gothersgade. Ihre Nachkommen finden sich noch hier und da. Ältere Kopenhagener können sich noch an Cloëttas Schokolade erinnern, die noch heute auf der anderen Seite des Öresunds erhältlich ist. Treffpunkt: Reformert Kirke, Gothersgade 111.

 

26. September 1807, das englische Bombardement

Das erste regelrechte Terrorbombardement in Europa richtete sich im September 1807 gegen die Kopenhagener Zivilbevölkerung. Von Dienstagabend bis Samstagmorgen schossen englische Truppen Granaten, Bomben und erstmalig Brandraketen über die Stadtwälle hinweg auf hilflose Einwohner und machtlose Feuerwehrmänner. König und Kronprinz waren geflüchtet, nur der alte Pioniergeneral von Peymann mit unzulänglichen Truppen hielt stand bis Sonntag, wo er dem Druck der Bürgerschaft nachgab und kapitulierte. Etwa ein Fünftel der Stadt lag in Ruinen und wenig später beschlagnahmte Großbritannien den Stolz der Nation, die Kriegsflotte, und brannte die Marinewerft Holmen nieder. Eine Katastrophe, die nachhaltige wirtschaftliche und mentale Folgen in Dänemark hervorrief. Treffpunkt: Nørreport, Eingang Fiolstræde

27. Søren Kierkegaards Adressen

Dänemarks bekanntester Philosoph hat mit wenigen Ausnahmen (Berlin) sein ganzes Leben in der Kopenhagener Innenstadt verbracht. Als Flaneur, Junggeselle, sokratischer Unterredungskünstler, Schriftsteller und praktizierender Protestant. Überall sind noch Spuren von ihm zu sehen oder besser gesagt, Orte, die ihn gesehen haben. Sein Erbe liegt in Archiven und Bibliotheken, sein Ruhm lebt weiter unter den vielen Ausländern, die ihm vor Ort ihr Studium widmen. Sein Familiengrabmal auf den Assistensfriedhof ist ständiges Ziel von In- und Ausländern.Das Geburtshaus ist abgerissen worden aber das nachfolgende Gebäude trägt eine Inschrift. Auch das ehemalige Friedrichshospital, heute Danmarks Designmuseum, hat eine Inschrift an der Fassade eines Pavillons, wo er als Privatpatient den Rest seines Vermögens aufzehrte bis zu seinem Todestag am 11. November 1855. Treffpunkt: Nytorv vor seiner Geburtsadresse.

 

 

28. Tabakbraune Kaschemmen auf Nørrebro

In den Arbeitervorstädten gibt es noch hier und da die sogenannten braunen Kneipen, wenn ihre Zahl auch schrumpft. Braun wegen der Tabakrückstände an Fensterrahmen und Vorhängen. Die Einrichtung ist teilweise noch wie zu Großvaters Zeiten. An Vor- und Nachmittagen kann man hier auch noch traditionelle Kneipengänger ansprechen, die sich abends nach Hause zum Fernseher trollen, wonach Studenten Steh- und Sitzplätze übernehmen. Die Bierpreise sind für Kopenhagener Verhältnisse passabel. Führungen nur an Werktagen nachmittags. Bis zu sechs Teilnehmer. 1 Bier je Kneipe im Preis inbegriffen. Treffpunkt vor der Kneipe „Det rene Glas“ (das saubere Glas), Nørrebrogade 64.

29. Zucker & Schokolade

Wussten Sie, dass Kopenhagen um 1780 der größte Zuckerexporteur Europas war? Zuckerrohr und Melasse wurden in riesigen Mengen aus Dänisch-Westindien eingeführt und in mehreren Raffinerien (Zuckerhäuser genannt) verarbeitet. Seit dieser Zeit und besonders nach der Einführung der Zuckerrübe fiel der Preis für Zucker und er wurde zur Volksnahrung, die noch vor dem Zweiten Weltkrieg und seiner Mengenbegrenzung zur Volkskrankheit Karies führte. Besonders die Herstellung von Trink- und Speiseschokolade ist von Zucker abhängig. Silberschmiede, Glasbläser und Porzellanfabriken nahmen sich des Zuckers und der Schokolade in Kopenhagen an. Schweizer Konditoreien und Cafés kamen einem wachsenden Bedürfnis nach Süßem bei den Kopenhagenern entgegen. Die süße Stadtwanderung führt uns an historischen  und aktuellen Adressen vorbei, die dieses Thema beleuchten und vielleicht gibt es auch eine kleine Kostprobe hier und da. Die Qualität Kopenhagener Schokoladekunst der Summerbird, Beier und Marstrand kann sich seit einem Jahrzehnt absolut mit der belgischen messen. Treffpunkt Ecke Nørreport/Nørregade

Offene Stadtwanderung ohne Anmeldung samstags 10.30 bis 12 Uhr.Treffpunkt Gammel Torv am Springbrunnen.